Gedächtnis stärken / Interview

Fit im Kopf?

In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung wie z. B. Alzheimer. ReformhausKurier®-Mitarbeiterin Anne-Ev Ustorf sprach mit der Gesundheits-Journalistin Carola Kleinschmidt.

Wie unterscheidet sich eine beginnende Demenz von normaler Schusseligkeit?

Meist vergisst man ja Dinge, die einem nicht so wichtig sind. Das ist völlig normal. Wenn man aber feststellt, immer häufiger Dinge zu vergessen, die wirklich wichtig sind, beispielsweise wie viele Gäste man zum Abendessen eingeladen hat oder dass das Enkelkind von der Schule abgeholt werden soll, wird es kritisch. Dann sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Generell muss man sagen, dass ein Laie eine beginnende Demenz wohl nur schwer von Schusseligkeit oder auch Eigensinn einer Person unterscheiden kann. Nur ein Besuch beim Facharzt kann hier wirklich Klarheit bringen.

Experten rechnen für das Jahr 2030 bereits mit 2,5 Millionen Betroffenen, weil der Anteil älterer Menschen zunehmen wird. Sollten wir uns jetzt alle gezielt mit Demenz befassen?

Auf jeden Fall. Schon jetzt kennt fast jeder in der Familie einen Menschen mit Demenz – und viele fühlen sich völlig hilflos oder ignorieren das Problem so lange es irgend geht. Häufig werden Erkrankungen deshalb erst viel zu spät diagnostiziert. Familien zerbrechen an der Last. Beides könnte weitaus besser laufen, wenn wir uns über diese Erkrankung informieren und aufhören würden, Demenzen wie ein Tabu zu behandeln.

altWelche Präventionsmethoden gibt es?

Die wohl wichtigste Stellschraube für die Gehirngesundheit, die man präventiv beeinflussen kann, liegt im Bereich Bluthochdruck. Er schädigt das Gehirn massiv und bahnt der Demenz so den Weg. Bluthochdruck ist oft gut behandelbar, wird aber derzeit bei etwa 30 Prozent der betroffenen Deutschen nicht ausreichend erkannt beziehungsweise behandelt. Inzwischen weiß man außerdem, dass Bewegung und gute soziale Kontakte helfen, unser Gehirn intakt zu halten.

Ab welchem Alter macht Prävention Sinn?

Spätestens ab Mitte 40 sollte man sich Gedanken um seine Gehirngesundheit machen. Also sich fragen: Habe ich chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, die ich besser behandeln müsste? Bewege ich mich ausreichend? Gibt es Maßnahmen, die man für den Fall der Fälle schon im Vorfeld treffen sollte? Eine Patientenverfügung ist letztlich für jeden Menschen sinnvoll. Und natürlich sollte auch niemand die Tatsache verdrängen, dass man älter wird und damit die Möglichkeit steigt, irgendwann Hilfe oder Pflege zu brauchen. Trotzdem ist es wenig hilfreich, sich im Vorfeld verrückt zu machen. Das Beste ist, schon heute dafür Sorge zu tragen, dass es einem gut geht, dass man sich um seine Gesundheit, um Bewegung, seine sozialen Kontakte und Interessen kümmert. Damit hat man schon viel für seine Gehirngesundheit getan.

Vielen Dank für das Gespräch!

Anne-Ev Ustorf

Die Journalistin Carola Kleinschmidt beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Gesundheit. Zusammen mit Prof. Dr. Hans Förstl hat sie „Das Anti-Alzheimer-Buch: Ängste, Fakten, Präventionsmöglichkeiten” geschrieben (Kösel-Verlag).

 

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