SolarstromSonne sei DankEin Sommertag 2011: Die Sonne steht am nahezu wolkenlosen Himmel, die Photovoltaikanlagen im Land speisen zur Mittagszeit 13.500 Megawatt Solarstrom ins Netz. An einem einzigen Tag wird jetzt mehr Solarstrom erzeugt als noch im gesamten Jahr 2001 – die Solarenergie boomt. Rückblick ins Jahr 1986. Auf dem Gebäude der Ökostation auf dem Freiburger Landesgartenschaugelände wird die größte Solarstromanlage Süddeutschlands installiert – sie leistet ein (!) bescheidenes Kilowatt. Werner Mildebrath aus dem nahegelegenen Sasbach, der ein Jahrzehnt zuvor gegen das Atomkraftwerk Wyhl am Kaiserstuhl kämpfte, ist für die Anlage verantwortlich. Doch ans Netz gehen kann sie nicht: „Das war noch verboten“, erinnert sich der Solarfreund. Also wurde der Strom in einer Batterie gespeichert.
Das war kein Einzelfall. Wer Solarstrom einspeisen wollte, musste dies bis weit in die achtziger Jahre hinein im Verborgenen tun. So, wie das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme in Freiburg. Auf dem eigenen Gelände bauten die Forscher bereits in den frühen achtziger Jahren eine Anlage mit Netzanschluss auf, aber außerhalb des Instituts durfte niemand davon wissen, vom Technischen Leiter des Freiburger Energieversorgers einmal abgesehen. Aber auch der hielt still, der Gedanke an Nachahmer bereitete Unbehagen. Siegeszug der PhotovoltaikErst mit dem Stromeinspeisungsgesetz von 1991 war die Geheimniskrämerei vorbei. Die Stromversorger wurden fortan verpflichtet, Solaranlagen anzuschließen und den Strom mit einem Minimalbetrag zu vergüten. Der Siegeszug der Photovoltaik begann aber erst im Jahr 2000, als das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für Solarstrom eine kostendeckende Einspeisevergütung festlegte. Seither stieg die Stromerzeugung aus Sonnenlicht jährlich um durchschnittlich mehr als 60 Prozent. In manchen Jahren hat sie sich sogar verdoppelt. Bei unverändert fortschreitender Entwicklung – so ein kurioses Rechenexempel – würde im Jahr 2103 das gesamte Licht, das die Sonne abstrahlt, photovoltaisch genutzt. Grünes Licht für SonnenenergieDoch auch realistische Berechnungen ergeben beachtliche Zahlen. Laut einer „Roadmap 2020“, präsentiert im November 2010 von der Solarbranche und den Beratungsfirmen Prognos und Roland Berger, soll die Photovoltaik in Deutschland binnen zehn Jahren auf 52.000 bis 70.000 Megawatt ausgebaut werden. Damit wird die Sonne übers Jahr gerechnet einen Anteil von zehn Prozent am deutschen Strommix erreichen können. In diesem Sommer wird die Leistung aller Solarstromanlagen in Deutschland die Marke von 20.000 Megawatt überschreiten. Zwar deckt die Sonne pro Jahr damit erst drei Prozent des Strombedarfs, doch da sie vor allem mittags Energie liefert, wenn die Nachfrage am höchsten ist, ist Solarstrom ein sehr wertvoller Strom. Bislang kann der Strom selbst bei wolkenlosem Himmel komplett genutzt werden – irgendwo im Netz gibt es immer entsprechende Verbraucher –, so dass er derzeit noch nicht gespeichert werden muss. Im Winter, wenn die Sonne weniger Energie liefert oder auf den Modulen gar Schnee liegt, sind die Erträge der Anlagen deutlich geringer. Kosten für den SolarstromAber ist die Förderung, ohne die der Solarboom nie möglich gewesen wäre, nicht auf Dauer zu teuer? Heute bezahlt jeder Stromkunde über seine Stromrechnung etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Knapp die Hälfte davon kommt dem Solarstrom zugute. Damit stehen jährlich einige Milliarden Euro an Fördermitteln bereit – und es ist legitim, zu fragen, ob das Geld gut angelegt ist. Hier muss man die Erfolge dagegenstellen: Der Preis des Solarstroms hat sich durch die Massenfertigung der Module alleine in den vergangenen fünf Jahren halbiert. In den letzten 25 Jahren gar ist der Preis um 85 Prozent gefallen. Und die Entwicklung geht weiter: Im Jahr 2012 bereits wird die Kilowattstunde Solarstrom vom Dach billiger sein als die Kilowattstunde Haushaltsstrom aus dem Netz. Und zur Mitte des Jahrzehnts wird die Photovoltaik zu den günstigeren Arten der Ökostromerzeugung zählen – billiger als Offshore-Windkraft, billiger als Strom aus Geothermie (hierbei treibt heißes Wasser aus der Tiefe der Erde eine Turbine an) und billiger als manche Kilowattstunde aus Biomasse. Bernward Janzing Lesen Sie auch: „Ökostrom – Kraftsquelle Natur“ Buchtipp: „Solare Zeiten“, Bernward Janzing, 192 S., Picea Verlag Freiburg
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