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Mikroklima

Durchatmen in der Großstadt

Ob in Tokio, London oder Gelsenkirchen: Es ist zu warm, zu trocken, und die Luft ist schmutzig. Um das Klima in Städten zu verbessern, kann jeder Einzelne beitragen.

altIn Deutschland wohnen etwa 80 Prozent der Einwohner, also über 60 Millionen Menschen, in einem städtischen Ballungsraum. Sie tun es, weil sie dort Arbeit und eine Infrastruktur vorfinden, die es so auf dem Lande nicht gibt. Das Klima allerdings gilt als ziemlich ungesund. So ist es in Städten deutlich wärmer.

Nicht nur, weil die Abwärme von Industrie, Verkehr sowie Heiz- und Kühlprozessen die Temperaturen steigen lässt und sich die verbauten Flächen tagsüber stärker aufheizen. Sondern auch, weil das Regenwasser in den Städten viel zu schnell im Gully verschwindet und keine Verdunstungskälte liefern kann.

Mikroklima und Gesundheit

Dadurch sinkt die Luftfeuchtigkeit, und das hat zusammen mit der Überwärmung direkte Folgen für die Gesundheit. Amerikanische Forscher fanden heraus, dass bei fünf Grad Celsius und niedriger Luftfeuchtigkeit, also dem typischen Winterklima in unseren Großstädten, die Ansteckungsgefahr für Schnupfen und Grippe am höchsten ist.

Der Grund: Unter diesen Bedingungen nehmen die vom Menschen in die Luft abgegebenen Speicheltröpfchen die optimale Größe an, um Viren von einem Wirt zum nächsten zu bringen.

Ein großes Problem der Städte ist natürlich auch ihre schmutzige Luft. Sie stammt aus Industrieschornsteinen, privaten Heizungsanlagen und Autoabgasen, und sie schädigt nicht nur die Atemwege. Griechische Wissenschaftler ermittelten, dass in Zeiten starker Verschmutzung, in denen die Kohlenmonoxidkonzentration um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter ansteigt, 46 Prozent mehr Menschen an Herzerkrankungen sterben. Erschwerend kommt hinzu: In den Städten bildet sich nicht nur mehr Smog, sondern er wird auch mehr festgehalten, weil in den Betonschluchten insgesamt weniger Wind aufkommt.

Projekte zur Klimaverbesserung

Grund genug also, das Klima in den Städten zu verbessern. Wie dies aussehen kann, zeigt das Projekt „Million Trees NYC” der Stadt New York. Dort will man bis zum Jahr 2017 eine Million neue Bäume pflanzen. Für das Klima dürfte das in der Tat ein Fortschritt sein, denn Bäume reinigen die Luft, mindern die CO2-Belastung und arbeiten als natürliches Kühlaggregat.

Nach dem Start der Aktion im April 2007 hat der Zähler auf der Projekt-Homepage www.milliontreesnyc.org mittlerweile die Marke von 470.000 überschritten (Stand 1. Juni 2011). Die Initiatoren der Kampagne wollen zeigen, dass man die Klimaverbesserung nicht allein der Stadtverwaltung überlassen sollte, sondern jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann.

„Die Stadt New York wird 60 Prozent der Bäume pflanzen, die übrigen 40 Prozent stammen von Hausbesitzern sowie privaten und gemeinnützigen Organisationen”, erklärt NY-Bürgermeister Michael Bloomberg, der die Organisation mit aus der Taufe gehoben hat. Ähnliche Aktionen wie in der amerikanischen Metropole gibt es aber auch in Deutschland.

So wurde 1995 die Aktion „Mein Baum für Magdeburg” ins Leben gerufen, bei der man für jeweils 250 Euro das Pflanzen eines Baums veranlassen kann, auf dem das Namensschild des Spenders sprangt. Bis zum Jahre 2017 sollen zudem, ebenfalls hauptsächlich durch Spenden finanziert, 500 Apfelbäume gepflanzt werden.

Einfach losgehen und irgendwo einen Baum pflanzen, das empfiehlt sich jedoch nicht. Letzten Endes bestimmen Grundeigentümer und Gemeinde, was gepflanzt wird. Außerdem eignen sich nicht alle Bäume für das harte Leben in der Stadt. Eine Liste mit Straßenbäumen kann man bei der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (www.galk.de; Suchbegriff „Die GALK Straßenbaumliste”)) einsehen.

Kinder an die Macht

altIn jedem Land der Erde wollen die Kinder der Schülerinitiative Plant-for-the-Planet eine Million Bäume als Zeichen für Klimagerechtigkeit pflanzen – in Deutschland haben sie ihr Ziel erreicht. Seit drei Jahren weist die Schülerinitiative Öffentlichkeit und Politiker auf die Notwendigkeit hin, endlich etwas gegen die Klimakrise zu tun.

„Stop talking. Start planting.” heißt ihr Motto. Mit Erfolg: Die Kinder rund um Initiator Felix Finkbeiner hatten durchgesetzt, dass ihre Pflanzaktion offizieller Programmpunkt des Petersberger Klimadialogs war, eines Vorbereitungstreffens für den Klimagipfel Ende 2010 in Mexiko.

Gemeinsam mit den Umweltministern aus Deutschland, Dänemark, Mexiko und Kanada pflanzten sie am 4. Mai 2010 den millionsten Baum, der wie alle anderen gepflanzten Bäume nicht nur der Atmosphäre CO2 entzieht, sondern vor allem Symbol für Klimagerechtigkeit ist. Plant-for-the Planet wird von den Reformhäusern unterstützt.

Allerdings gibt Stadtklima-Experte Andreas Puhr vom Naturschutzbund NABU zu bedenken: „Die tatsächliche Eignung eines Baums abzuschätzen, ist vor allem wegen des Klimawandels schwierig.”

Sollte beispielsweise die Durchschnittstemperatur in Berlin tatsächlich um 2,5 Grad ansteigen, könnte man für die Umgestaltung des Flughafengeländes in Tegel sogar mit einem Zitronenhain planen.

Baumscheiben pflegen, Verkehrsverhalten anpassen

Es sind nicht nur Bäume, die zum Wohlfühlen in der Stadt beitragen. So kann man sich auch der Baumscheiben annehmen, also jener offenen Bereiche, von denen die Straßenbäume eingerahmt werden. Sie sind nicht selten zu bloßen Deponien für Hundekot und Strassenmüll verkommen.

Am Anfang gilt es, die Erde aufzulockern und möglicherweise, wenn sie bereits zu sehr mit Autoölen oder Hundeurin verunreinigt ist, gegen Humus auszutauschen. Dann kann mit dem Pflanzen von Stauden begonnen werden, „Und wenn ich heute wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen (Martin Luther).”  Allerdings sollte man auch in diesem Fall vorher Rücksprache mit dem zuständigen Grünflächenamt halten.

Schließlich lässt sich auch per Verkehrsverhalten das Stadtklima positiv verändern. Der Transport in gut gefüllten Bussen und Straßenbahnen belastet beispielsweise weniger die Luft, als wenn jeder allein mit seinem Auto zur Arbeit fährt.

Und dass Fahrradfahren und das Gehen zu Fuß besser sind als Autofahren, ist ohnehin klar. Andreas Puhr rechnet vor: „Jeder Berufspendler, der fünf Kilometer statt mit dem Auto mit dem Rad zur Arbeit fährt, spart im Jahr etwa 400 Kilogramm klimaschädlicher Kohlendioxid-Emissionen.”

Für diese Menge könne er dann etwa vier Jahre lang seinen Kühlschrank betreiben. Immer mehr Städte haben aus diesem Grund öffentliche Fahrradverleihsysteme eingerichtet. Wie etwa in Hamburg, wo im Juli 2009 mit 67 Leihstationen und 1000 Fahrrädern gestartet wurde. Mittlerweile wird das System ausgebaut.

Mittelfristig soll durch solche Aktionen der Radverkehr in der Hansestadt verdoppelt werden. Voraussetzung zum Erreichen dieser ehrgeizigen Ziele ist freilich, dass mehr Fahrradwege gebaut werden – und schließlich auch genug Bürger mitziehen und sich auf den Drahtesel schwingen.

Dr. Jörg Zittlau

 

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