ÖkobilanzDer ökologische FußabdruckDer Mensch lebt auf großem Fuß. Er ist ein großzügiger Verbraucher. Und für all seine Wünsche gibt ihm die Erde reichlich. Doch die Ressourcen, so warnen Wissenschaftler, sind begrenzt. Leben ist eigentlich eine einfache Sache. Der Mensch hat Bedürfnisse, wie Essen, Trinken und Wärme, und zu deren Befriedigung bedient er sich aus seiner natürlichen Umgebung. Mit unserem Verhalten hinterlassen wir Spuren, Fußabdrücke sozusagen Abfall und Abgase wie Kohlendioxid werden einfach der Natur zurückgegeben, die sie dann wieder in ihren Biokreislauf einschleust. Ein in sich geschlossenes System, das Jahrtausende gut funktionierte. Doch das gehört der Vergangenheit an, denn wir wollen mehr, als die Erde uns geben kann. Es ist höchste Zeit, unseren „ökologischen Fußabdruck” drastisch zu verkleinern.
Ökologischer Fußabdruck: Was heißt das eigentlich?
Entwickelt wurde die Idee des ökologischen Fußabdrucks Mitte der Neunziger von Mathis Wackernagel und William Rees von der Universität British Columbia, Kanada. Den beiden Ökologen ging es darum, die zahlreichen Daten und Wirkungszusammenhänge der Umwelt in einem einzigen, leicht verständlichen Wert darzustellen. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass jeder Mensch zum Leben ein bestimmtes Quantum Rohstoffe und Energie beansprucht. So benötigt man etwa für ein saftiges Steak ein Rind, das mit Futter, Wasser und Energie versorgt werden muss. Das Tier produziert Fäkalien, Kohlendioxid und Methangase, mit denen die Natur klarkommen muss. Für all das braucht man die Flächen und biologischen Kapazitäten der Erde. Und Nahrung ist ja nur eines von vielem, das wir beanspruchen. Folgenreicher AbdruckWissenschaftler haben ausgerechnet, dass ein Mensch derzeit etwa 2,2 Hektar, also 22.000 Quadratmeter Erdfläche für die Befriedigung seiner Bedürfnisse benötigt. Tatsächlich stehen jedem rechnerisch jedoch nur 1,8 Hektar zur Verfügung. „Seit etwa 30 Jahren wird die biologisch produktive Fläche stärker ausgenutzt, als sie ertragen kann”, erklärt der Ökologe Karl von Koerber aus München. Der moderne Mensch braucht demnach 20 Prozent mehr, als die Erde ihm liefern kann. Anders gesagt: Es wären eigentlich 1,2 Planeten nötig, um die Bedürfnisse aller Menschen befriedigen zu können. Es gibt viele Menschen, die mit weniger als einem Hektar zum Überleben auskommen müssen. Wie etwa die Inder, deren ökologischer Fußabdruck bei 0,7 pro Kopf liegt, und einige Länder der Dritten Welt erreichen noch nicht einmal diesen Wert. Doch dafür gibt es wieder andere, die umso maßloser sind.
„Wollten alle Menschen auf der Welt das derzeitige Konsumniveau in den USA erreichen, wurde man beim heutigen Stand der Technik vier weitere Planeten wie die Erde benötigen”, erklärt der US-amerikanische Sozialbiologe Edward Wilson, der schon länger vor den Folgen des Raubbaus an der Natur warnt. Die Bewohner zwischen New York und San Francisco brauchen sogar mehr als zehnmal so viel Land wie die Menschen in Indien. Der ökologische Fußabdruck eines Europäers ist zwar niedriger, aber mit 4,7 Hektar immer noch hoch. Und er wiegt, unter globalen Gesichtspunkten, ähnlich schwer wie der amerikanische, weil Länder wie Deutschland nur über wenig eigene Anbauflächen, Rohstoffe und Biokapazitäten verfugen. Umweltschutz verbessernSo entlarvt der ökologische Fußabdruck, dass man in Deutschland in puncto Umweltschutz noch lange nicht so weit ist, wie gern behauptet wird. Schwellenländer wie China und Brasilienwerden gern als Umweltsünder angeprangert, obwohl dort jeder Einzelne nur 1,6 bzw. 2,1 globale Hektar Land benötigt. Und das ist nicht nur darin begründet, dass sich der Verbrauch der Biokapazitäten in Brasilien und China auf viele Köpfe verteilt. Sondern auch daran, dass Deutschland zwar weit vorne liegt, wenn es um Ökostrom und Wassersparen geht, aber auch viele Umweltsünden begeht. So legt der Bundesbürger pro Jahr 12.000 Kilometer mit dem Auto zurück, und davon entfällt die Hälfte auf Kurzstrecken, die besonders belastend für die Umwelt sind, weil ein kalter Motor sehr viel Kraftstoff braucht und Kohlendioxid ausstößt. Wer hingegen an 200 Tagen im Jahr seine durchschnittlichen sechs Kilometer zur Arbeit radelt, anstatt sie mit dem Auto zurückzulegen, kann den Ausstoß des Treibhausgases um eine Vierteltonne senken. Stellschraube ErnährungsumstellungKarl von Koerber hält die Ernährungsumstellung für einen Königsweg zur Besserung der Öko-Bilanz: „Die Umwelt könnte ganz erheblich entlastet werden, wenn weniger tierische Produkte verzehrt würden“. So wird über ein Drittel der Weltgetreideernte an Tiere verfüttert, um Fleisch, Milch und Eier zu produzieren. Für von Koerber ein klarer Fall von „Ressourcenverschwendung”. Würden die Menschen das betreffende Getreide direkt verzehren, würde das nicht nur viel Energie einsparen, sondern auch viele Abfälle und Treibhausgase vermeiden helfen. Bei der Produktion von Bio-Lebensmitteln fallen übrigens nur halb so viele Treibhausgase an wie bei ihren konventionell hergestellten Pendants. Ganz zu schweigen davon, dass der Verzicht auf Pestizide und Mineraldünger die Umwelt schont. Am besten sollten die Öko-Produkte aus regionalem Anbau stammen oder möglichst ressourcenschonend transportiert werden, wie zum Beispiel mit dem Schiff. Denn wenn die Öko-Weintrauben per Flugzeug aus Afrika oder Südamerika zu uns herüberdüsen, vergrößert das unseren ökologischen Fußabdruck. Dr. Jörg Zittlau Lesetipp: aid-Broschüre „Mein Essen – unser Klima”, 24 Seiten, zu bestellen hier über www.aid.de |