AlltagshetzeEin Lob auf die LangsamkeitAlles gleichzeitig machen, bloß nichts liegen lassen und immer perfekt sein wollen. Vor allem Frauen setzen sich damit unter Druck. US-Wissenschaftler nennen das Hurry Sickness, übersetzt: Hetzkrankheit. Schwäche und Müdigkeit, dazu kommen Kopfschmerzen, Schulterverspannungen, Schlafprobleme und Magenbeschwerden. Und das ständige Gefühl, in Zeitnot zu sein. All dies sind typische Symptome der Hetzkrankheit. Das Phänomen wurde zunächst in den USA beobachtet, nun wird es auch in Deutschland untersucht.
Experten definieren die Hetzkrankheit als – wie der Name schon sagt – ständiges Gehetze im Alltag. Ob im Job oder privat, die meisten Aufgaben werden nur noch unter Druck und in Eile ausgeführt. Allein die Geschwindigkeit zählt. Am liebsten erledigt man mehrere Sachen gleichzeitig. Umfragen zeigen: Fast jede zweite Frau lebt auf der Überholspur. Die meisten leiden unter der Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und Haushalt. Gestresst oder bereits abgehetzt?Als krankhaft gilt, wenn Sie dauerhaft - versuchen, mehr Zeit durch ein höheres Arbeitstempo zu gewinnen
- rund um die Uhr erreichbar sein wollen
- mit der Arbeit nicht aufhören können
- alles selber machen wollen
- einen hohen Arbeitsaufwand betreiben
- in der Freizeit nicht abschalten können
- auch in der Freizeit vielfältige Aufgaben übernehmen
„Das sogenannte Multitasking wird gerne als eine besonders bemerkenswerte Fähigkeit von Frauen interpretiert, ohne gleichzeitig die möglichen negativen Folgen zu beleuchten”, erklärt Dr. Jost Langhorst, Psychotherapeut und Gastroenterologe an der Universität Duisburg-Essen. Tatsächlich führt das ständige Umschalten zwischen vielen Aufgaben zu einem Zustand der Überforderung. Am Körper geht das nicht spurlos vorbei. Wer dauerhaft unter Strom steht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit krank. Dann herrscht unter Umständen auch Hochdruck im Blutkreislauf, Anspannung in Nacken und Rücken. Die Hektik schadet nicht zuletzt dem Magen. „Magen und Psyche sind eng miteinander verbunden, da ein dichtes Nervengeflecht den Verdauungsapparat umschließt”, sagt Langhorst. Stress kann in diesem System stören und zum Beispiel eine erhöhte Säureproduktion hervorrufen. Kein Wunder, dass jeder dritten Frau die ständige Hetze zeitweise auf den Magen schlägt. „Vorübergehender Stress, Schwäche und Unlust sind normal”, weiß Melanie Göldner, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Salzgitter. „Das ist für den Körper wie eine Wettkampfsituation. Er mobilisiert alle seine Kräfte für die Hochleistung. Auf Dauer kann das Gehetze aber keiner aushalten.” Wer ständig überarbeitet ist, muss die Notbremse ziehen und sich Freiräume schaffen. „Dafür ist es wichtig, sich deutlich zu machen, dass man sein eigenes Leben selbst in der Hand hat und etwas ändern kann”, betont Melanie Göldner. Bewegung und Entspannungsübungen wie Yoga können zu einer Besserung führen. Auch Pausen sind wichtig. 10 Tipps für ein entspanntes Leben
- Ziele formulieren.
Wichtig ist, sich über die eigenen Wünsche klar zu werden – und sie dann konsequent zu verfolgen. Beispiel: Ich will mehr für meine Gesundheit tun. - Schriftlich planen.
Schreiben Sie auf, was Sie vorhaben. So sind Sie sicher, dass Sie nichts vergessen und Ihr Kopf ist frei für anderes. - Realistisch bleiben.
Nehmen Sie sich nicht zu viel für die Woche oder den einzelnen Tag vor. Planen Sie bewusst Pausen und Leerlaufzeiten ein. - Schwerpunkte setzen.
Überlegen Sie sich, welche Aufgaben am wichtigsten und dringendsten sind. Wichtiges zuerst erledigen. - Nicht perfekt sein wollen.
Haben Sie keinen übertrieben hohen Anspruch an sich selbst. - Auch mal Nein sagen.
- Sich frei entscheiden.
Das fängt schon beim Telefonklingeln an: Ein Anrufbeantworter erfüllt zunächst seinen Zweck. Sie können zurückrufen, wenn es Ihnen besser passt. - Helfen lassen.
Viele Frauen wollen alles selbst machen und leiden zwangsläufig unter Zeitnot. Nützlich: ein Netzwerk von „Hilfskräften”. - Zeit genießen.
Unternehmen Sie regelmäßig etwas, was nichts – aber auch gar nichts – mit Arbeit oder Leistung zu tun hat. Dazu gehören Ausflüge mit der Familie, Treffen mit Freunden oder ein schöner Spaziergang. - Ein Zeit-Tagebuch führen. Protokollieren Sie Ihren „Zeitverbrauch”. Überprüfen Sie immer wieder, ob Sie Freizeit und Ausgleich genügend Raum geben.
Dazu gehören sowohl kleine Auszeiten während des Tages als auch ein Jahresurlaub. Um langfristig ein zufriedenes Leben zu führen, sollten alle elementaren Bereiche des Lebens in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen: - Beruf
- Familie
- Gesundheit
- die Frage nach dem Sinn des Lebens
Bewährt hat sich für den Anfang eine Bestandsaufnahme. Am besten aufschreiben, wie viel Zeit jedem der vier Bereiche jeweils gewidmet wird und wie das zukünftig aussehen soll. Gabriele Hellwig Lesetipp: „Blitzschnell entspannt. 100 verblüffend leichte Wege, stressige Alltagssituationen zu bewältigen”, Robert Sonntag, 136 Seiten, 14,95 Euro, Trias Verlag, Stuttgart |