NahrungsergänzungsmittelSinnvoll oder überflüssig?Vitamine und Mineralstoffe sind unverzichtbar und müssen über die Nahrung zugeführt werden, denn der Stoffwechsel ist nicht in der Lage, sie selbst herzustellen. Die Ausnahme ist Vitamin D. 
Aber, so der Dauer-Disput unter Ernährungsexperten, reicht die übliche Kost zur Bedarfsdeckung aus? Ja, was im Essen ist, reiche völlig aus, sagen die einen. Alles darüber hinaus sei unnötig, möglicherweise sogar gefährlich. Auf der anderen Seite versammeln sich die Befürworter von Nahrungsergänzungspräparaten. Ihrer Meinung nach können bestimmte Bevölkerungsgruppen durchaus eine Zulage vertragen.
Und die Konsumenten? Manche versprechen sich schlicht und einfach ein Mehr an Gesundheit.
Pro und Contra in der WissenschaftDer Grabenkampf flammt mit schöner Regelmäßigkeit wieder auf. Den vorerst letzten Höhepunkt erlebte er 2007. Ein serbisches Forscherteam legte der Öffentlichkeit eine Metaanalyse vor, worin 68 klinische Studien statistisch ausgewertet wurden. Alarmierendes Ergebnis: Hohe Einnahmemengen an Antioxidantien seien nicht nur nutzlos, sondern sogar lebensverkürzend. Die Medien stürzten sich auf die Aussagen und feuerten die Diskussion um Sinn oder Unsinn von Nahrungsergänzungsmittel weiter an. Mit dem Ergebnis, dass etliche Verbraucher, die sich bis dato einen gesundheitlichen Vorteil von der Einnahme von Vitamin E oder Beta-Carotin versprochen hatten, zum Teil bis heute stark verunsichert sind. Wissenschaftler wie Prof. Dr. med. Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim bezeichnen die Schlussfolgerungen aus der Metaanalyse jedoch als methodisch unsauber. Hoch dosierte Vitamin-Therapien dürften zudem nicht mit einer normalen Nahrungsergänzung in einen Topf geworfen werden. In Hohenheim überprüfte man die Studie, unterschied diesmal jedoch zwischen gesunden und kranken Teilnehmern. Fazit: Die Zufuhr an Antioxidantien erwies sich bei beiden Gruppen nicht als schädlich im Sinne einer Lebensverkürzung. Stattdessen konnten positive Effekte beobachtet werden. Auch praktizierende Ärzte wie der Naturheilmediziner Dr. med. Klaus Mohr äußerten Kritik an der serbischen Analyse. Ist eine hoch dosierte Zuführung von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll? Nein. Viel hilft nicht viel, das ist inzwischen eine Binsenweisheit. Kann eine hoch dosierte Einnahme eines Vitamins Krankheiten beseitigen? Nein, Nahrungsergänzung dient, wie der Name schon sagt, als zusätzliche Vitamin- und Mineralstoffquelle. Sie kann Lücken schließen, die durch eine unzureichende Versorgung über die Nahrung entstehen. Welche Dosierung ist im Großen und Ganzen sinnvoll? Nahrungsergänzungen sollten nicht mehr als das Dreifache der von den Fachgesellschaften empfohlenen Vitamin- bzw. Mineralstoffmengen enthalten. Wie steht das Reformhaus zur Diskussion? Nach der Vorgabe der Fachgesellschaften richten sich die Hersteller im Reformhaus. „Die Täglichen 3 Wächter” von Granovital sind dort ein Klassiker. Die darin enthaltenen Vitamine decken zu 100 Prozent die empfohlene Tagesbedarfsmenge. Außerdem dabei: Mineralstoffe und OPC, Pflanzenstoffe mit Radikalfänger-Eigenschaften.
In den neuform-Grundsätzen gibt es einen Passus speziell für Nahrungsergänzungsmittel. Dort heißt es, dass der Gesundheitswert der Produkte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als sicher bewertet sein muss. Auch die Verwendung von Zusatzstoffen zur Herstellung der Präparate ist streng geregelt. Natürlichen Vitaminen wird der Vorzug gegeben. Bei Vitamin E, zu dem verschiedene Untergruppen zählen, ist die Naturverbindung grundsätzlich wirksamer als die synthetische Variante. Bei anderen Vitaminen gibt es keinen Unterschied im chemischen Aufbau. Vielfach spielen aber die Begleitstoffe eine Rolle. Zusammen mit Flavonoiden wirkt Vitamin C beispielsweise deutlich stärker als die isolierte Substanz. Deshalb verwendet die Firma Natura bei ihren Heißgetränken (z. B. Sanatura Heiße Zitrone) ausschließlich Vitamin-C-reiches Acerolapulver statt der synthetischen Ascorbinsäure. Das Getränkepulver enthält außerdem Citrus-Flavonoide und Zink.
„Wir setzen hochwertige Wirkstoffe mit guter Bioverfügbarkeit ein und verzichten auf künstliche Süß- und Farbstoffe”, erklärt Dr. Susanne Fink-Tornau. Gute Verträglichkeit und neutraler Geschmack waren für die Entwicklung der Eisen-Tabletten aus dem Hause Hübner ausschlaggebend. Werden auch Gesundheitsstoffe für gezielte Bedürfnisse angeboten? Ja, nicht nur Vitamine und Mineralstoffe werden in Kapseln, Tabletten, Dragees, Pulver und Flüssigprodukte verpackt. Noch weitere Gesundheitsstoffe wie beispielsweise Omega-3-Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe kommen in Frage. Reformhaushersteller konzipieren zunehmend Produkte für spezielle Bedürfnisse. Der Muskel Plus Direkt-Stick von Natura enthält außer Magnesiumcitrat mit sehr guter Resorptionsquote noch zwei weitere für die Muskelfunktion sinnvolle Stoffe, die Vitamine B1 und B6. Das Calciumpräparat von Börner (Bakanasan Calcium plus mit Vitamin D3 + K) ist als ernährungsphysiologisch sinnvolle Nährstoff-Kombination für den Knochenaufbau gedacht. Die Firma Alsitan bietet in ihrer Expert-Reihe ergänzende bilanzierte Diäten an, etwa bei mangelhafter Ernährung des Auges (Alsiroyal Expert VisionPlus). Ein Mix aus Tabletten und Kapseln mit 28 Nähr- und Vitalstoffen ist zur diätetischen Behandlung von chronischer Erschöpfung, Burnout-Syndrom und stressbedingten Erkrankungen mit metabolischer Störung geeignet (Alsiroyal Expert Vital-Aktiv-Komplex). Die Wirksamkeit wird durch eigene klinische Studien belegt. Gibt es so etwas wie einen „kleinsten gemeinsamen Nenner” bei Kritikern und Befürwortern? Ja. Einig sind sich alle in folgendem Punkt: Nahrungsergänzungen taugen nicht als Alibi für einen ungesunden Lebensstil. Eine bedarfsangepasste, ausgewogene Ernährung sollte stets im Vordergrund stehen. Nahrungsergänzung ist dann sinnvoll, wenn latente, das heißt unterschwellige Mangelzustände bestehen. Echte Vitamin-Mangelerkrankungen wie Skorbut oder Rachitis treten nur noch sehr selten auf. Eine qualifizierte Ernährungsberatung hilft Ratsuchenden, eine auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Entscheidung zu treffen. Denn wenn es mit der ausgewogenen Ernährung häufiger hapert, jemand extrem wenig isst oder zu einer anderen Risikogruppe gehört, dann kommt eine Nahrungsergänzung durchaus infrage. Dazu gehören ältere Menschen, Leistungssportler, Schwangere/Stillende, Menschen, die eine einseitige Diät halten und Menschen mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Doris Eschenauer Mehr zum Thema finden Sie in den Ratgebern „Vitamine und Mineralstoffe” (PDF-Download) und „Schwangerschaft und Stillzeit” (PDF-Download) |