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Gesundheits-Tipps

Soja mindert Brustkrebsrisiko

Verbraucherinnen sind verunsichert: Stellen die scheinbar sanften Extrakte aus Soja gegen Wechseljahrsbeschwerden ein gesundheitliches Risiko dar? Können die Pflanzenstoffe gar Brustkrebs fördern? Experten geben Entwarnung.

Die Angst, an Brustkrebs zu erkranken, ist groß. Verständlich, denn weltweit erhalten jährlich über eine Million Frauen diese Diagnose, knapp 60.000 davon in Deutschland, Tendenz steigend. Heute weiß man, es gibt beeinflussbare Faktoren, die das Brustkrebsrisiko minimieren:

  • gesunde Lebensweise
  • nicht rauchen
  • wenig Alkohol
  • ausgewogene Ernährung
  • viel Bewegung
  • Seelenfrieden

Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen, sind dagegen ein höheres Lebensalter sowie die Vererbung der Krankheit. Experten gehen davon aus, dass fünf bis zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen erblich bedingt sind. Bei den meisten Frauen beginnen zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr die Wechseljahre (Klimakterium), oftmals begleitet von Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder Schlafstörungen. Auslöser ist die gedrosselte Östrogenproduktion.

Soja-Isoflavone mindern Wechseljahrsbeschwerden 


Um ihr Wohlbefinden zu verbessern, setzen viele Frauen dann auf natürliche Wirkstoffe aus der Sojabohne, sogenannte Isoflavone. „25 klinische Studien und Metaanalysen mit Frauen in den Wechseljahren zeigen einen signifikant positiven Effekt von Soja-Isoflavonen auf die Begleiterscheinungen“, sagt Dr. Gisela Rauch-Petz, Leiterin der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Alsitan. „Bereits nach vier Wochen konnte bei den Studienteilnehmerinnen eine fühlbare Verbesserung der typischen Erscheinungen festgestellt werden, die sich bis zur zwölften Woche noch verstärkte.”

altAndere Studien belegen, dass asiatische Frauen kaum an Wechseljahrsbeschwerden leiden – in China sind es 18 Prozent, in Europa hingegen 70 bis 80 Prozent! Der Grund dafür: Asiatinnen essen von klein auf täglich größere Mengen Sojaprodukte. „Doch auch wenn Frauen erst mit den Wechseljahren Soja mit der Ernährung aufnehmen, können sich die positiven Eigenschaften entfalten”, so Gisela Rauch-Petz. Allerdings bedarf es dafür einer ausreichenden Dosis. Ein Soja-Drink zum Frühstück reicht nicht aus.

„Etwa 80 Milligramm pro Tag scheint die Mindestmenge zu sein, um einen Effekt auszumachen”, sagt Prof. Dr. Martin Imhof, Gynäkologe und Chefarzt des Landesklinikums Korneuburg bei Wien. Eine solche Menge mit den Ernährungsgewohnheiten in Europa zu erreichen, sei jedoch eher untypisch. Frauen könnten auf Nahrungsergänzungsmittel in Form eines Extraktes zurückgreifen, rät Dr. Rauch-Petz. „Somit erhalten sie auch immer die gleiche Menge an Soja-Isoflavonen.”

Der Frauenarzt Dr. Martin Imhof weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass bei dem Extrakt alle Bestandteile des Naturprodukts enthalten sein müssen. Es dürfe nicht nur ein Auszug des Wirkstoffes sein und nicht zu empfehlen seien die synthetisch hergestellten Produkte. „Denn in dem Moment, in dem Präparate künstlich ergänzt werden, ist alles, was man über die Sicherheit und Wirksamkeit von natürlichen Isoflavonen weiß, nicht mehr anwendbar.”

Studien belegen Schutzwirkung

Auch die Brustkrebsrate ist in Asien deutlich niedriger als in europäischen Ländern. In epidemiologischen Untersuchungen wurde ein Zusammenhang mit dem Verzehr von Soja hergestellt, der umso deutlicher war, je mehr Soja-Isoflavone in der Ernährung waren. Eine aktuelle deutsche Studie, die im August dieses Jahres veröffentlich wurde, hat den Einfluss von pflanzlichen Präparaten zur Linderung von Wechseljahrssymptomen, wie Traubensilberkerze, Johanniskraut, Mönchspfeffer und auch Soja-Isoflavone, auf das Risiko untersucht, Brustkrebs zu entwickeln.

altNeben dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg haben Forscher des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der Universität Bremen mitgearbeitet. Die Studie wurde mit rund 10.000 Frauen zwischen 50 und 74 Jahren durchgeführt: 3464 Frauen mit Brustkrebs wurden mit 6657 gesunden Frauen verglichen. „Es zeigte sich ein schützender Effekt bei der Einnahme pflanzlicher Präparate in der Größenordnung einer 25- bis 30-prozentigen Risikominderung von Brusttumoren unabhängig vom Tumortyp und Rezeptorstatus”, berichtet Prof. Dr. Jenny Chang-Claude, Studienleiterin und Wissenschaftlerin vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

„Selbst nach Brustkrebs, der auf Östrogene anspricht, können Sojaprodukte weiter verzehrt werden”, sagt Dr. Gisela Rauch Petz und verweist auf eine im Februar 2009 veröffentlichte Studie (Guha et al.). Diese hatte das Ziel, zu untersuchen, ob Sojaverzehr das Rückfallrisiko bei Brustkrebspatientinnen beeinflusst. Die Untersuchung wurde mit 2000 Amerikanerinnen über einen Zeitraum von 6,3 Jahren durchgeführt. Nicht untersucht wurden Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs.

Der Schutzeffekt durch Soja zeigt sich vor allem bei Frauen mit Brustkrebs nach den Wechseljahren, die Östrogen-Rezeptor-positiv waren und die mit dem in der Tumortherapie eingesetzten Antiöstrogen Tamoxifen behandelt wurden. Ihr Rückfallrisiko wurde um etwa 60 Prozent gesenkt.

Bahnbrechende Erkenntnis

Über die positiven Aspekte der Sojabohne herrscht nicht überall die gleiche Meinung. Medienberichte stellten die Wunderbohne oftmals infrage und verunsicherten damit die Verbraucherinnen. „Obwohl der Zusammenhang aus Beobachtungen an Bevölkerungsschichten mit hohem Sojakonsum offensichtlich ist und dieser Effekt ebenfalls klinisch Bestätigung fand, wurde die Wirksamkeit der Soja-Isoflavone wegen verschiedener formaler Fehler im Aufbau der älteren Studien lange Zeit angezweifelt”, sagt Prof. Imhof.

Seit der Entdeckung eines zweiten Östrogen-Rezeptors ER-Beta (neben dem bereits bekannten ER-Alpha) durch eine schwedische Forschergruppe um Prof. Dr. Jan-Åke Gustafsson weiß man: ER-Beta löst Schutzmechanismen für die Gesundheit der weiblichen Brust und der Gebärmutter aus und hemmt ungesundes Zellwachstum. Und Soja-Isoflavone unterstützen genau diese Wirkung, indem sie ER-Beta aktivieren. Vieles spricht also dafür, die Asiabohne öfter in den Speiseplan aufzunehmen.

Alexandra Schramm

Hülsenfrucht mit wertvollem Innenleben

Die Sojabohne fand den Weg auf den Speiseplan der Menschen vor rund 4000 Jahren in China. Mit ihrem hohen Eiweißgehalt war sie ein wichtiges Grundnahrungsmittel und bewahrte die Chinesen oft vor drohenden Hungersnöten. Jahrtausendelang wurde die Sojabohne deshalb auch als gelbes Juwel gepriesen. Sie hat einem hohen Gehalt an Eiweiß (etwa 39 Prozent) und Öl (etwa 17 Prozent). In der europäischen Küche wird sie beispielsweise in Form von Soja-Drink, Tofu, Miso, Tempeh und Sojasauce verwendet. Das Reformhaus® bietet zudem Joghurts, Desserts und „Sahne” auf der Basis von Soja, was nicht zuletzt auch für Kuhmilchallergiker eine schmackhafte Alternative darstellt.

Mehr zum Thema finden Sie im Ratgeber „Wechseljahre” (PDF-Download)

 

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