WohlfühlenLebensfreude hält uns gesund Hauptsache gesund, so muntern wir uns gerne auf, wenn es sonst nicht so üppig zugeht. Ob Finanzkrise, Wirtschaftsflaute oder steigende Kosten allerorten – die Freude am Leben sollten wir uns nicht verderben lassen. Sie ist ein Schlüssel zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Expertinnen und Experten verraten worauf es außerdem ankommt.
Dr. med. Florian Ploberger,
Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Traditionelle Chinesische Medizin, beschäftigt sich zudem mit tibetischer Medizin.Die einfachste Antwort auf die Frage: Was hält uns gesund? lautet: das Licht. Dieses steht für Freude, menschliche Wärme, Segen etc. Meine tibetischen Lehrer haben mich gelehrt, dass man sich ethisch korrekt verhalten soll, um gesund zu werden bzw. zu bleiben. Sie haben zwischen ethischem Verhalten mit Körper, Rede und Geist unterschieden. Wer sich ethisch korrekt verhält, sät nur Samen, die in der Zukunft dann Gutes bewirken. Auf körperlichem Niveau lässt sich ethisches Verhalten in drei Punkten zusammenfassen: nicht töten, nicht stehlen, kein falsches sexuelles Verhalten. Was die Rede anbelangt, wird es bei der Umsetzung schon etwas schwieriger: nicht lügen, nicht Zwietracht säen zwischen den Menschen, nicht schlecht reden über andere sowie kein sinnloses Gerede! Sich auf der Ebene des Geistes ethisch korrekt zu verhalten, fällt den Menschen am schwersten: nicht eifersüchtig sein, nicht anderen Menschen Schlechtes wünschen und keine falsche Ansichtsweise haben. Den letzten Punkt will ich etwas erklären: Eine falsche Ansichtsweise bedeutet frei übersetzt, dass der Einzelne sich getrennt fühlt von (s)einer höher geordneten Instanz. Die Buddhisten nennen diese Buddha-Natur, im Christentum sprechen wir von göttlicher Instanz.
Für die Gesunderhaltung spielen also viele Faktoren eine Rolle. Die Buddhisten gehen davon aus, dass Krankheit immer nur aufgrund vorheriger Handlungen entsteht. Wenn wir also die erwähnten Punkte missachten, dann sammelt sich negatives Karma an. Umgekehrt heißt das: Wenn wir kein negatives Karma anhäufen, dann bekommen wir auch keine negativen Resultate. Ganz praktisch: In der Früh sollte man sich ein ethisch korrektes Handeln vornehmen, am Abend den Tag Revue passieren lassen und Bilanz ziehen: Wenn man feststellt, dies und das habe ich nicht ganz so gut geschafft, kann man sich vornehmen, es am nächsten Tag besser zu machen. Ein Lehrer hat zu mir gesagt: Wenn du diese Anweisung befolgst, ist schon viel erreicht. Dr. med. Michael Krahl,
Allgemeinmediziner mit Zusatzausbildungen für Homöopathie, Chirotherapie und NaturheilverfahrenGesundheit hat viele Dimensionen und ist für mich etwas ganz Persönliches, ein Ziel, ein Wert und ein Weg. Gesundheit ist ein Ausdruck unserer Lebensprozesse in Abhängigkeit unseres Alters. Gesundheit stellt Potenziale für unsere Lebensgestaltung bereit und ist mit Lebensfreude verknüpft und mehr. Im zwischenmenschlichen Bereich kommt es auf die Ausgeglichenheit zwischen Geben und Nehmen an. Ich sorge mich um meine Mitmenschen, um Familie, Freunde, Mitarbeiter und Patienten. Es soll ihnen gut gehen. Für meine Person kümmere ich mich darum, dass ich möglichst regelmäßig gut und stressfrei esse und gut schlafe. Licht, Luft, Sonne und Bewegung sind ein Lebensbedürfnis. Ich treibe in mäßigem Umfang regelmäßig Sport. Es kommt mir darauf an, genug Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien aufzunehmen und Gifte wie Tabakrauch, aber auch Lösungsmittel etc. und mehr als 0,25 l Wein pro Tag zu meiden. In allen Bereichen versuche ich so zu leben, dass die Lebensqualität und Vitalität bis ins Alter erhalten bleibt. Dazu gehört auch, in Frieden zu leben, meine, unsere Lebensziele zu verfolgen und mich am Leben zu freuen. Dr. med. György Irmey, ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. (GfBK), Heidelberg. Er tritt für ganzheitliche Medizin einAls Erstes fällt mir dazu ein: Den eigenen Rhythmus finden und beachten. Es gibt heute ein Signalwort für sehr viele Menschen: Stress. Das Thema ist aber sehr relativ zu betrachten, weil manche Menschen viel Stress brauchen, damit sie sich wohl fühlen, andere weniger. Dabei kommt es darauf an, das richtige Maß für sich zu finden und sich wirklich Zeit zu nehmen – für sich, für Entspannung, für Dinge, aus denen man Freude und Zufriedenheit generiert. Bevor Krankheiten chronisch werden, kommt es aber häufig zu Befindlichkeitsstörungen wie zum Beispiel Schlafproblemen, Verdauungsunregelmäßigkeiten, Unwohlsein bis hin zum sogenannten Burnout. Hier ist es nach meiner Auffassung wichtig, solche Zeichen zu beachten und darauf zu reagieren. Denn im Vorfeld lassen sich Beschwerden in der Regel leichter angehen. Wenn eine Krankheit schon chronisch ist, wird es schwieriger (was nicht bedeutet, dass man dann nichts mehr tun kann!). Für den Umgang mit Krankheiten kommt mir gern das Zitat einer Patientin in den Sinn: Man sollte sich weniger mit der Frage beschäftigen: „Warum bin ich krank geworden”, sondern sich darauf konzentrieren: „Warum will ich gesund werden?” Das impliziert ein großes Maß an Eigenverantwortlichkeit und die Bereitschaft, selbst etwas zu tun und nicht die Verantwortung allein auf den Arzt zu übertragen. Dieser ist sicher dafür da, wenn es um spezielle gesundheitliche Probleme geht. Im Bereich der Gesundheitsvorsorge können aber im Grunde genommen die Menschen selbst am meisten etwas für sich tun. Für die Gesunderhaltung ist mir noch ein anderer Aspekt wichtig, die Ernährung. Hier spielt es nicht nur eine Rolle, was wir essen, sondern vor allen Dingen, wie wir essen: sich Zeit nehmen für das Essen, für die achtsame Zubereitung der Mahlzeiten, das Essen als Ritual gestalten – zumindest ab und zu. Heute fixieren wir uns oft zu einseitig auf die Auswahl der Lebens- und Nahrungsmittel. Wir leben in einer Zeit des „Objektivierungswahns”, um es überspitzt auszudrücken. Doch ich empfehle, nicht nur Vorschriften und Regeln zu befolgen, sondern auch zu schauen, was den einzelnen Menschen persönlich gut tut und zu ihnen passt. Das Thema Achtsamkeit ist natürlich auch auf andere Lebensbereiche zu übertragen.
|